Wittekinds Bekehrung / Weihnachtsgedicht.de     
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Motiv: Weihnachtsgeschichten in Versen          





Wittekinds Bekehrung


Da kaum die Hügel matt erhellte
Der morgenrote lichte Schein,
Wer schleicht sich in die Zelte
Des Frankenlagers ein?
Mit Schritten leise, leise,
Wie Späherschritte sind,
Verfolgt er die geheime Reise.
Das ist der Sachse Wittekind.

Schon focht er wieder mut’ge Franken
Durch lange Jahre blut’gen Streit,
Und grollte sonder Wanken
Dem Herrn der Christenheit:
Nun schlich er kühn und schnelle
Zum Feinde sich bei Nacht,
Vertauschend seine Heldenfelle
Mit einer feigen Bettlertracht.

Da fühlt er plötzlich sich umrungen
Von Melodien, sanft und weich,
Gesungen wird, geklungen
Wird um ihn her zugleich.

Verwundert eilt er weiter,
Durchzieht das rüst’ge Heer,
Da sieht er Beter statt der Streiter,
Das Kreuz als ihre ganze Wehr.

Weihnachten war heran gekommen,
Der heil’ge Morgen war entglüht,
Und innig schwoll des frommen,
Des großes Karls Gemüt:
Zum hohen Tempelbaue
Ließ wölben er sein Zelt,
Dass er im Land der Heiden schaue
Die Glorie der Christenwelt.

Hoch überm Altar prangt und raget
Ein blauer, rotdurchwirkter Thron,
Drauf sitzt die reine Maged
Und ihr im Schoß der Sohn.
Hell schimmert rings das schöne,
Das heilige Gerät,
Und alle Farben, alle Töne
Begrüßen sich mit Majestät.

Schon kniete brünstig, stillandächtig
Der Kaiser vor dem Hochaltar,
Mit Grafenkronen prächtig
Um ihn die Heldenschar;
Schon fällt vom Spiel der Lichter
Ein rosenfarbner Schein
Auf ihre klaren Angesichter,
Da tritt der Heide keck hinein.

Er staunt als er die Paare
Mit Karl auf ihren Knie’n erkennt,
Damit sie himmlisch nähre
Das ew’ge Sakrament;
Doch staunt er des nicht minder,
Da sich kein Priester fand,
Und sieh! es kamen Engelkinder
Im blütenweißen Lichtgewand.

Sie boten zum Versöhnungsmahle
die Hostie dem Kaiser dar,
Die auf smaragdner Schale
Sie trugen wunderbar:
Und Jubel füllt die Seelen,
Empfangend Brot und Wein,
Es dringt ein Lied aus tausend Kehlen
Vom göttlichen Zugegensein.

Der Sachse steht betäubt, er faltet
Die Hände fromm, sein Aug’ ist nass,
Das hohe Wunder spaltet
Den heidnisch argen Hass,
Hin eilt er, wo der Haufe
Mit frohem Blick ihn misst:
Gib, Karl, dem Wittkind die Taufe,
Dass er umarme dich als Christ!

August Graf von Platen 1796 - 1835


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Weihnachtsgedicht.de - Text: Wittekinds Bekehrung