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Die Rose
"Mutter, o wie heißt die Blume,
Die am rauen Dorne blüht,
Die so rot wie Lipp und Wange,
Die wie Morgensonne glüht?"
"Rose heißt, mein Kind, die Blume,
Doch, warum so hehr sie prangt,
Dieses will ich dir erzählen,
Bis zu schlummern dich verlangt.
In dem heilgen Land geboren
War das liebe Jesuskind,
Dass es sollt die Welt erlösen
Und erhellen, die da blind.
Und Maria, seine Mutter,
Es bei Nacht und Tag bewacht,
Sang ihm vor und trugs und pflegt es,
Wie ichs jüngst mit dir gemacht.
Sonderlich am Samstagmorgen
Lullte sie es immer ein,
Und dann wusch sie die Gewändlein,
Dass sie Sonntags nett und rein.
Engel wachten dann beim Kindchen,
Engel gingen ihr zur Hand,
Halfen ihr die Linnen trocknen
Auf des Gartens Dornenwand.
Doch sobald sie Kleid und Linnen
Von den rauen Dornen hob,
Blüheten, wo sie getrocknet,
Blumen ihrem Kind zu Lob.
Diese Blumen sind die Rosen,
Über allen heilig schön,
Zum Gedächtnis an den Heiland
Sie in jedem Garten stehn.
Wie die wüste Welt der Heiland
Zu dem Bessern hat bekehrt,
Sprossten Blüten von den Windeln,
Und der Dornenstrauch ward uns wert.
Zum Gedächtnis an die Stunde,
Wo sein Linnen trocknend lag,
Lacht allsamstaglich die Sonne,
Selbst am trübsten Regentag.
Was die Rose dir verkündet,
Schlag es nimmer in den Wind;
Siehst du sie, denk an Maria
Und das liebe Jesuskind."
Vinzenz von Zuccalmaglio 1803 -
1869
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