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Der Hirtenknabe von Bethlehem
In jener Nacht, die den ewigen Tag
Uns gab und mit licht die Welt erfüllt,
Als noch, in arme Windeln gehüllt,
Zu Bethlehm der Erlöser lag:
Da kamen, gerufen vom Gloria
Des Engelchores, aus Wald und Feld
Die Hirten zu seiner Wiege heran
Und fanden sie wunderbar erhellt
Und schauten und glaubten und beteten an;
Und als die Sonne herniedersah,
Da brachten der Jungfrau, die ihn gebar,
Die Hirten erquickende Früchte und Trauben
Und andere ländliche Gaben dar.
Ein Hirtenknabe war dabei,
Ein armer Waise aus Bethlehem,
Der hatte nichts von alledem
Als auch das Herz von Lieb und Glauben.
Und diese Liebe doch zu erweisen,
So blies er der Jungfrau, dem göttlichen Kind,
Dem frommen Pfleger treu gesinnt,
Auf seiner Schalmei andächtige Weisen.
So kam er jeden Morgen wieder
Und spielte in Demut auf ländlichem Rohr
Dem Kind und den heiligen Engeln vor
Und war durch seine kunstlosen Lieder
Und durch den Schmuck bescheidener Sitten
An jedem Tage dort wohlgelitten.
Doch als er eines Morgens kam
Und sich der Hütte nahte, vernahm
Er ein Geräusch von Knechten und Rossen
Und fand sie geziert mit Prachtgewanden
Und reichem Stoff aus den Morgenlanden.
Und vor dem Kinde drei Männer knien,
Von purpurnen Königsmäntel umflossen,
Die brachten demselben Gold und Rubin
Und Weihrauch und duftende Myrrhen dar.
Kaum nahm der Knabe die Pracht gewahr,
So blieb er schüchtern, bescheidentlich
Mit seiner Schalmei von ferne stehn,
Anstaunend die Fremden, und scheute sich
In die glanzerfüllte Hütte zu gehen.
Allein die heilige Mutter des Herrn
Bemerkte den armen Knaben von fern
Und rief ihn zu sich herein ins Gedränge
Der ihr gehorsam ausweichenden Menge;
Und sprach zu ihm leutselig und hold:
"Die Liebe nur gibt Wert dem Gold,
Das uns die Andacht der Könige beut.
Und diese Liebe hast auch du,
Drum spiele wie sonst dein Lied auch heut,
Wir hören dir mit Freuden zu!"
Der Knabe darauf ergreift die Schalmei
Und blies sein Liedchen mutig und frei.
Und unter den Fremden erhob sich kein Spott,
Es lächelte selbst der kindliche Gott
aus seiner Wiege den freundlichen Tönen.
Eduard von Schenk 1788 - 1841
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