| |
Weihnachtsabend
Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten wars, durch alle Gassen scholl
der Kinderjubel und des Markts Gebraus.
Und wie der Menschenstrom mich fort gespült,
drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
"Kauft, lieber Herr!" Ein magres Händchen hielt
feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.
Ich schrak empor, und beim Laternenschein
sah ich ein bleiches Kinderangesicht;
wes Alters und Geschlecht es mochte sein,
erkannt ich im Vorübertreiben nicht.
Nur vor dem Treppenstein, darauf es saß,
noch immer hört ich, mühsam, wie es schien:
"Kauft, lieber Herr!" den Ruf ohn Unterlaß;
doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.
Und ich? Wars Ungeschick, war es die Scham,
am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh meine Hand zu meiner Börse kam,
verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.
Doch als ich endlich war mit mir allein,
erfaßte mich die Angst im Herzen so,
als säß mein eigen Kind auf jenem Stein
und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.
Theodor Storm 1817 - 1888
|
|
Weihnachtslied
Vom Himmel in die
tiefsten Klüfte ...
Theodor Storm
Weihnachtsabend
Die fremde Stadt
durchschritt ich sorgenvoll ...
Theodor Storm
Nun wandelt auf verschneiten Wegen
Nun wandelt auf
verschneiten Wegen ...
Victor Blüthgen
Weihnachtsglocken
Weihnachtsglocken,
wieder, wieder ...
Richard Dehmel
Weihnachten
Markt und
Straße stehn verlassen ...
Joseph von Eichendorff
Weihnachtswunder
Durch den
Flockenfall ...
Gustav Falke
Weihnachten in Ajaccio
Reife Goldorangen
fallen sahn wir heute, Myrte blühte ...
Conrad Ferdinand Meyer
Weihnachtslied
Die Winde brausen und
tosen ...
Marx Möller
Weihnachtslied
Lieblich wieder durch
die Welt ...
Johannes Trojan
Weihnacht
Die Welt wird kalt,
die Welt wird stumm ...
Ernst von Wildenbruch
Weihnacht
Ein
"Weihnachtslied!" wie manches ward gesungen ...
Alfred Beetschen

|