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Der Trost der Welt
Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt?
Herberg ist dir schon längst bestellt.
Verlangend sieht ein jedes dich
Und öffnet deinem Segen sich.
Geuß Vater ihn gewaltig aus,
Gib Ihn aus deinem Arm heraus.
Nur Unschuld, Lieb und süße Scham
Hielt Ihn, dass Er nicht längst schon kam.
Treib Ihn von dir in unsern Arm,
Dass er von deinem Hauch noch warm;
In schweren Wolken sammle Ihn
Und lass Ihn so herniederziehn.
In kühlen Strömen send Ihn her,
In Feuerflammen lodre Er,
In Luft und Öl, in Klang und Tau.
Durchdring Er unser Erde Bau.
So wird der heilge Kampf gekämpft,
So wird der Hölle Grimm gedämpft,
Und ewig blühend geht allhier
Das Paradies herfür.
Die Erde regt sich, grünt und lebt,
Des Geistes voll ein jeder strebt,
Den Heiland lieblich zu empfahn,
Und beut die volle Brust Ihm an.
Der Winter weicht, ein neues Jahr
Steht an der Krippe Hochaltar:
Es ist das erste Jahr der Welt,
Die sich das Kind erst selbst bestellt.
Die Augen sehn den Heiland wohl,
Und doch sind sie des Heilands voll,
Von Blumen ward sein Haupt geschmückt,
Daraus Er selbst holdselig blickt.
Er ist der Stern, Er ist die Sonn,
Er ist des ewgen Lebens Bronn,
Aus Kraut und Stein und Meer und Licht
Schimmert sein kindlich Angesicht.
In allen Dingen sein kindlich Tun,
Seine heiße Lieb wird nimmer ruhn,
Er schmiegt sich, seiner unbewusst,
Unendlich fest an jede Brust.
Ein Gott für und, ein Kind für sich,
Liebt Er uns all, herzinniglich,
Wird unser Speis und unser Trank,
Treusinn ist Ihm der liebste Dank.
Das Elend wächst je mehr und mehr,
Ein düstrer Gram bedrückt und sehr:
Lass, Vater, den Geliebten gehen,
Mit uns wirst du Ihn wiedersehn.
Novalis (Friedrich von Hartenberg)
1772 - 1801
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Gedichte:
1 bis
20 , 21 bis 40 ,
41 bis
53

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